Ein neuer Beginn

Es ist Ende April und meine Beete sind leer. Die Erde in den Hochbeeten sieht einladend aus, dunkel, nährstoffreich, und ich merke, dass der Boden bereit ist für neue Samen und einen neuen Start ins Gartenjahr. Und ich? Ich bin einfach so gar nicht bereit.

Letztes Jahr habe ich überhaupt zum allerersten Mal Gemüse und Obst angebaut, sodass ich nicht behaupten könnte ich wüsste was ich tue. Nachdem mein Mann und ich in 2020 das alte Forsthaus in Brandenburg bezogen habe, lag für lange Zeit der Fokus erstmal auf dem Haus. Und so kam erst 2023 der Garten dran.

Aber letztes Jahr stand bereits im Februar jedes Fensterbrett voller kleiner Töpfchen und Anzuchtschalen. Bald reckten sich Setzlinge der Sonne entgegen und standen im Frühling in den Startlöchern, um in den Garten einzuziehen. Während ich im April draußen schon einiges direkt gesät hatte, kamen im Mai dann die Setzlinge für Gemüse und Schnittblumen in die von meinem Mann neu gebauten Beete.

Und dieses Jahr?

Ein neuer Job und Krankkheitswellen in der Kita sorgten dafür, dass ich da bin wo ich nun bin. Mitten im Frühling und ohne jegliches Anzeichen von dem Start eines neuen Gartenjahrs in meinen Beeten. Ehrlicherweise kam schon der Gedanke auf; lohnt es sich denn jetzt überhaupt noch? Bin ich nicht einfach viel zu spät dran?

Ein Gedanke den bestimmt viele kennen. Die unergründliche Angst “hinterher” zu sein. Einem vermeintlich vorgegebenen Zeitstrahl hinterher zu rennen, der uns vorgibt, wann wir wo im Leben zu sein haben. Oder der uns das Gefühl gibt, jetzt doch nicht nochmal neu starten zu können, unsere Meinung ändern zu dürfen, oder das, was es ist das einen ruft, nicht ausprobieren zu dürfen.

I have wasted YEARS of my one wild and precious life worrying about being late for things.
— Natasha Lunn

Also dann: Ja! Gerade jetzt. Jetzt, mit dem was ich habe. Und schauen was daraus wird.

Und wie zur Bekräftigung starte ich daher auch diesen Blog. Natürlich nochmal 2 Monate später. Aber ich will festhalten was so wird in meinem Garten. Und was nichts wird. Und daneben alles teilen was mich inspiriert und mein Leben schöner macht. Ich will mich an die kleinen wunderbaren Momente erinnern, ich will festhalten was wir geschaffen haben und von wo wir gekommen sind.

Es soll eine Einladung sein, bewusst die kleinen Momente wahrzunehmen und zu konservieren, die den Alltag so wunderschön machen - denn für mich sind diese vielen kleinen Momente des Alltags das, was mein Leben ausmachen und es so individuell und einzigartig machen. Mit dem ganz eigenen Timing.

Um meine Misserfolge und hoffentlich auch Erfolge zu feiern und um rückblickend zu sehen, was alles geschaffen wurde. Denn vorwärts geht es immer.

Wiebke Marie Hueber